Buchcover Der Mensch ist kein Haustier von Stephan Lackner mit einer Lithographie von Max Beckmann. Edition Cosmopolites 1937

Live-Vortrag mit Diskussion

Stephan Lackner hat mit dem 1937 im Pariser Exil veröffentlichten Drama Der Mensch ist kein Haustier (Worms 1977; erstmals 1937 bei Editions Cosmopolites in Paris erschienen) eine utopische Groteske vorgelegt: Nachdem die Revolutionsgarden die Aristokratie abgesetzt haben, wird ein neuer Staat gegründet, der sich einem großen Experiment verschreibt: der Rationalisierung des Lebens. Die ehemalige Fürstin kann während des Umsturzes gemeinsam mit einem abtrünnigen Revolutionär auf einem Auswandererschiff fliehen und überlebt in der Wildnis – bis sie nach 15 Jahren mit dem Versprechen der Amnestie zurück in die „Heimat“ (S. 64) gerufen wird. Der Präsident des Experimentalstaates plant, aus seinen und ihren Anlagen „den höchsten Menschen [zu] züchten“ (S. 87). In dieser Dreieckskonstellation steht nichts Geringeres auf dem Spiel als die Konzeption vom Menschen und die Differenz zwischen Mensch und Tier bzw. der Mensch als Tier. Der technisch-rational genormte „Zukunftsmensch“ (S. 39) kommt dabei jedoch nicht besser weg als der trieb- und gefühlsgesteuerte „behaarte Mordaffe[]“ (ebd.), den der Experimentalstaat abzuschaffen versucht. Inwiefern sich der Text für die Theoretisierung exilischer Mensch-Tier-Verhältnisse als produktiv erweist, soll der Vortrag beleuchten.  


Carla Swiderski, Germanistin, Medien- und Kommunikationswissenschaftlerin; Dissertation zum Mensch-Tier-Verhältnis in der Exilliteratur, assoziiert mit der Walter A. Berendsohn Forschungsstelle für deutsche Exilliteratur; Stipendiatin der Friedrich-Ebert-Stiftung und am Graduiertenkolleg Geisteswissenschaften der Universität Hamburg; Forschungsaufenthalt an der New York University; ausgewählte Publikationen: Ethisch-ästhetische Schreibverfahren und das Verhältnis von Mensch und Tier in Hermann Brochs Die Schuldlosen (2019); „Out of Time, Out of Space, Out of Species: Deictic Displacement of the Exiled Self in Hans Sahl’s ‚Der Maulwurf’ (The Mole)” (2018); „Sprachliche Dehumanisierung in der NS-Ideologie. Eine Strategie zur Verkehrung der Bedrohungsverhältnisse" (2017).

 

Zwischen „behaarte[m] Mordaffen“ und rationalem „Zukunftsmensch“: Das Experiment ‚Mensch‘ in Stephan Lackners Exildrama Der Mensch ist kein Haustier
Carla Swiderski 
Fr, 23.10.2020, 11.30 11.45

ANMELDUNG zur Tagung:
 

Nach erfolgreicher Anmeldung erhalten Sie - rechtzeitig zum Veranstaltungstermin - die Zugangsdaten zum Livestream und weitere Hinweise. Ihre Daten werden ausschließlich zur Organisation der Veranstaltung verarbeitet.

© 2020, Österreichische Exilbibliothek im Literaturhaus Wien / IMPRESSUM & AGBs