Charlotte Bondy, London, 1946. © privat

Charlotte Bondy: eine bayerische Designerin im Lande der Tierfreunde
Jennifer Taylor
Fr, 23.10.2020, 13.45 14.00

Live-Vortrag mit Diskussion

Als Charlotte Schmidt, Enkelin eines bayerischen Tierarztes, 1936 nach London fuhr, um ihren norddeutschen jüdischen Verlobten Paul Bondy zu heiraten, wurde sie von ihrem Hund Lotka begleitet. In den ersten Jahren des Exils war dieser Hund Bestandteil der Familie und Spielgefährte der 1937 geborenen Tochter Joanna.
Um die prekäre finanzielle Lage der Familie zu verbessern, begann Charlotte mit Näharbeiten – vor allem Stofftiere –, die sie an Bekannte verkaufte. In den Nachkriegsjahren versuchte sie sich erneut in ihrem Beruf als Designerin zu etablieren, indem sie ihre Stofftiere kommerziell produzieren ließ. Trotz wiederholter Bemühungen in den 1940er- und 1950er-Jahren scheiterte dieser Versuch an ihr früheres Berufsleben anzuknüpfen, und sie musste sich damit begnügen, weiterhin private Aufträge auszuführen.
In diesem Referat wird untersucht, inwieweit die Beschränkungen der kommerziellen Produktionsweise ihrem Konzept der Tierwelt nicht gewachsen waren. In Betracht gezogen wird auch der Einfluss von Disneyfilmen, wie auch die ebenso anthropomorphischen Tierdarstellungen in der Kinderliteratur des Gastlandes.



Jennifer Taylor, Dr. phil.; Germanistin, Gründungsmitglied des Research Centre for German and Austrian Exile Studies, Universität London; Forschungsschwerpunkt: deutschsprachiges Exil in Großbritannien; ausgewählte Publikationen: "...das einzige Lichtchen, das weit in der Ferne als Hoffnungsschimmer leuchtete - England!" Charlotte und Paul Bondys Briefwechsel aus der Zeit der Internierung von Juni bis Dezember 1940 (2013); "Die Bücher gingen sofort von Hand zu Hand": The Contribution of Käthe Auerbach, Charlotte Bondy and the Büchergilde Gutenberg to the Re-education of German Prisoners of War in Britain, 1946 – 1948 (2014); Charlotte Bondy: A Graphic Designer in Exile (2017).

 

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