Wolf Suschitzkys Guy the Gorilla, London 1958. © Estate of Wolf Suschitzky

Fährten – Gefährten. Making Friends: Wolf Suschitzkys Tierfotografien im Prisma des Exils
Julia Winckler 
Sa, 24.10.2020, 9.45 10.00

Aufzeichnung mit anschließender Diskussion

Wolf Suschitzky wollte ursprünglich in Wien Zoologie studieren, entschied sich dann, angeregt von seiner Schwester Edith Tudor-Hart, für die Fotografie und brachte sein zoologisches Interesse in die Fotografie ein. Suschitzky floh 1934 mit 22 Jahren aus Wien zunächst nach Holland, ging dann nach London, wo er ab 1936 im Londoner Zoo als Assistent des britischen Filmdirektors Paul Rotha arbeitete. Bei ihm lernte Suschitzky neue Kameratechniken. Er durfte bei eigenen Fotoaufnahmen von Tieren direkt in den ‘enclosures’ arbeiten, was ihm ermöglichte, eindrucksvolle Nahaufnahmen zu machen.
Ab 1938 erschienen seine Tieraufnahmen in britischen Revues (z.B. Animal and Zoo Magazine und Geographical Magazine), Kinderbüchern (z.B. The Children’s Zoo, 1939) und praktischen Fotobüchern, (z.B. Photographing Animals,1941, mit einem Vorwort des Zoologen Julian Huxley).
Suschitzkys Tieraufnahmen veränderten den Blick der Öffentlichkeit auf Tiere, besonders auch auf die Zootiere und die Tatsache ihrer Gefangenschaft. Er stellte sie als eigenständige Wesen dar, denen man mit dem selben Respekt wie Menschen begegnen müsse.
An ausgewählten Beispielen wie Guy the Gorilla, wird gezeigt, dass Suschitzky in seinen Bildern den Widerspruch zwischen Autonomie und Gefangenschaft, zwischen Leben in der Natur und der Präsentation hinter vergitterten Käfigen im Zoo thematisiert.
Das Verhältnis von Mensch und Tier, Nähe und Ferne wird neu austariert und damit die Vorstellung des Exotischen, das für das Verständnis wilder Tiere und ihrer Präsentation im Zoo historisch bestimmend war, unterlaufen.  



Julia Winckler, Principal Lecturer für Fotografie und Mediengeschichte an der University of Brighton; wissenschaftliche Beraterin bei Kaitak Research Centre for Photography, Hong Kong Baptist University; lebt und arbeitet seit 1998 in Großbritannien; ausgewählte Publikationen: The First Rule of Photography is Patience: the photographs of Wolf Suschitzky (2014); „Quite content to be called a good craftsman” – an Exploration of some of Wolf Suschitzky’s Extensive Contributions to the Field of Applied Photography between 1935 and 1955 (2019); Regie des Dokumentarfilms mit Wolf Suschitzky Children are the Future (2016). 
 

ANMELDUNG zur Tagung:
 

Nach erfolgreicher Anmeldung erhalten Sie - rechtzeitig zum Veranstaltungstermin - die Zugangsdaten zum Livestream und weitere Hinweise. Ihre Daten werden ausschließlich zur Organisation der Veranstaltung verarbeitet.

© 2020, Österreichische Exilbibliothek im Literaturhaus Wien / IMPRESSUM & AGBs