Textfassungen der Kurzgeschichte Die Schwalbe von Alice Penkala, 1940er-Jahre. © Österreichische Exilbibliothek im Literaturhaus Wien

Live-Vortrag mit Diskussion

Der Vogel hat schon immer ein großes Identifikationspotential für Autor/inn/en geboten und der Vogelflug wurde oft als Bild für den Schreibprozess verwendet. Der Vogel – ob Singvögel, Möwen, Tauben, Flamingos, Papageien oder Fasane – findet mit seinen unterschiedlichen Symbolgehalten häufig im Kontext des Exils Verwendung und gibt Aufschluss über das Verhältnis von Fluchterfahrung und Schreibarbeit. Im Vortrag wird der Frage nachgegangen, inwiefern die Vogelbilder und -vergleiche ebenso wie die Metapher des Vogelflugs für den Schreibprozess von den lebensweltlichen Beeinträchtigungen, Ängsten und Hoffnungen, die an die Flucht geknüpft sind „kontaminiert“ sind. Es werden verschiedene Texte des Exils abgeschritten, um die positiven Assoziationsräume wie die Freiheit und Fliegen als biografisches wie ästhetisches Ziel, aber auch die negativen Assoziationsräume des Vogels in der Exilliteratur – darunter die Nestbeschmutzung, der Verlust von Nestwärme durch die Flucht oder Schreibblockaden, die auch mit dem Verlassen des eigenen Sprachraumes zusammenhängen – auszuloten.  


Sanna Schulte, Dr. phil., Literaturwissenschaftlerin, Politikwissenschaftlerin; 2014 Promotion an der Philosophischen Fakultät der Universität Aachen: Bilder der Erinnerung. Über Trauma und Erinnerung als literarisches Konzept in Herta Müllers ‚Reisende auf einem Bein‘ und ‚Atemschaukel‘ (2015). Seit 2018 Forschung und Lehre am Literaturarchiv der Österreichischen Nationalbibliothek und am Institut für Germanistik der Universität Wien; ausgewählte Publikationen: Nestbeschmutzung als Konstituierung einer Theorie des Gedächtnisses (2015); Bleiben oder Gehen? Die Situation zwischen der Inneren Emigration und Exil in der Biographie und den literarischen Arbeiten Irmgard Keuns (2016); Exil interdisziplinär (Mhg., 2017).
 

Vom Schreiben als Fliegen und vom Flüchten mit Flügeln. Über Vogel-Bilder in der Exilliteratur
Sanna Schulte
Fr, 23.10.2020, 10.15 10.30

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